Meine ersten Tage in Wageningen…

Als ich aus dem Bus steige, dämmert es schon. Im Hintergrund sind die grauen Betonklötze auf dem flachen Feld zu erkennen. Der Campus ist eine Ansammlung verschiedenförmiger Gebäude, die allesamt auf ehemaligem Ackerland stehen. Große Kreise auf den Fassaden enthalten Worte, die beschreiben sollen, was darin geschieht. So ist LUMEN der Raum der mit Licht und Umweltwissenschaften erfüllt ist, RADIX und GAIA enthalten Forscher_innen die sich mit der Wurzel und ihrer Umgebung befassen und im FORUM spielt sich alles ab, was sonst keinen Raum findet. Hier ist auch die Hauptbibliothek, eine Mensa und zentrale Verwaltung. Hier bekomme ich nach drei Tagen meine Studentenkarte. Obwohl ich schon am ersten Tag hier war um das Foto zu machen, wird sie erst vor meinen Augen fertiggestellt. Scheint nicht so schwer zu sein. Endlich kann ich drucken, was ich für meine Masterarbeit lesen möchte. Doch halt: Vorher muss ich erst meine Bezahlkarte (es gibt 10 und 20 euro EinwegKarten) mit meinem Konto verbinden. Aufladen kann man Karten nur mit niederländischem Konto, was ich aber für meinen kurzen Aufenthalt als zu aufwändig erachte. Also heißt es Chipkarten kaufen und hoffen, dass diese nicht entsorgt sondern wieder aufgeladen werden. Gut, nachdem der IT-Service auch mein W-Lan Problem gelöst hat und ich nun mit der Studi-Karte Bücher ausleihen kann, fühle ich mich nun als vollwertiger WUR-Student.

Fietsen statt Latschen!

Warum Fietsen besser als Latschen sind ist keine forstwirtschaftliche Fragestellung. Jedenfalls kommt mensch mit dem Fahrrad (fiets) sehr schnell vorwärts und es ist auch das gängigste Fortbewegungsmittel hier. Fahrradstaus oder zumindest Anhäufungen an den Ampeln sind keine Seltenheit, während es auf der Straße für den motorisierten Personen- und lastenverkehr vergleichsmäße ruhig zugeht. Zumindest zu den Stoßzeiten ist das schon sehr beachtlich. Von dem Hauptgebäude, dem FORUM bis zu “meinem” Institut, dem Institut für Social Sciences sind es 5-10 Minuten, je nachdem. Gestern war es am späten Morgen noch so neblig, dass ich mich doch glatt verfahren bin und 15 Minuten brauchte. Alles sah anders aus als am Vortag. Da ich mir den Weg noch nicht so gut eingeprägt hatte, bin ich ein bissl in der Walachei herumgekurvt. Dabei stieß ich sogleich auf landwirtschaftliche Aktivitäten. Ich beobachtete wie ein Landwirt seinen viel zu großen Traktor und das viel zu große Güllefass auf eine viel zu kleine, eingezäunte Koppel schob, rückwärts. Er war so groß, dass das Gefährt gerade sechs mal auf die Fläche passt. Also tüchtig hin und wieder her, viel Boden verdichten ist nicht schwer! Am Vortag konnte ich  auch schon die kleingärtnerischen und -bäuerlichen Aktivitäten am Stadtrand bestaunen. Viel Grünkohl (boerenkool=Bauernkohl) steht da und ein paar SChafe und ERdäpfelackerle wo die aardappelen für das berühmte Stamppotten wachsen. Das kompt vom stampern der aardappelen (Stampfkartoffel) die dann mit zwiebeln (uien) und Karotten (wortelen) sowie boerenkool vermengt werden. dazu essen carnivore dann Wurst (Worst) oder Speckwürfel (spekblokjes). Also die Grundversorgung der Parzelleninhaber_innen scheint zum Teil gesichert zu sein.

Chesellich is de studentenleben!

Dass G gleich Ch ist, merkt mensch schnell. Es mutet fast tirolerisch an, aber nicht so hart. Geselligkeit ist hier jedenfalls kein Fremdwort. In meinen ersten drei Tagen bekomme ich zahlreiche Eindrücke, wie Studierende leben. In Drouvendal, gleich gegenüber vom Forum, leben Studierende in kleinen Häusern zu je sechs Personen in kleinen WGs, die ich mit meinen WG-Erfahrungen als eher eng bezeichnen würde. Unser Haus hält sich Hühner und es gibt eine Katze, Bio-Gemüse und Milch sowie Joghurt werden einmal wöchentlich abgeholt, bei einer Art Foodkoop. Gegenseitige Einladungen zu Abendveranstaltungen, Film schauen, gemeinsam Essen oder auch mal Feiern sind Bestandteil der Tagesordnung. Putzpläne funktionieren auch hier mal besser, mal schlecher ;-) Ich habe eine wunderbare Gastgeberin, die mir für die ersten Tage ihr Zimmer und Bett sowie ihr Fahrrad leiht. Danke Lena! Ich bekomme Hilfe und Tipps wo ich brauche und fühle mich sehr geborgen. Gestern hab ich mich gleich in den Kochplan eingetragen und für alle Linsencurry gekocht, um mich irgendwie erkenntlich zu zeigen. Eet schmakelijk! Ein freundliches Wiedersehen hatte ich auch mit Margot, bei der ich und Magdalena schon bei meinem ersten Besuch hier untergekommen sind. Gemeinsam mit ihren Mitbewohnern  führte sie mich in die niederländische Kochkunst ein und wir genossen einen geselligen Nachmittag in der Sonne auf ihrem Balkon, unweit des Rheinufers. Ich aß zum ersten mal Weißbrot mit Margarine und Hagelslag (richtig: Hachelslach ;) , das sind Schokostreusel, wie man sie sonst auf Torten oder Pralinen verwendet und Zuckerbrot (suiker brood), das fast so gut schmeckt, wie Reindling. Es rennt der Schmäh und eine kruid sigarettje geht herum. Tots straks van Wageningen ;-)

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