Gemeinsam Verantwortung tragen für eine selbstbestimmte Ernährung!

Seit einem Jahr gärtnert der Gärtnerhof Ochsenherz in Gänserndorf bei Wien gemeinsam mit 200 Menschen, größtenteils WienerInnen. Das Konzept Solidarische Landwirtschaft macht’s möglich!

Peter Lassnig, einer der sieben Gärtner von GeLa Ochsenherz, wollte schon immer ökologisch landwirtschaften, forschen und ernähren. Dabei legt er Wert auf eine große Sortenvielfalt, eigenes Saatgut und hofeigene Düngung. Außerdem wollte er die Menschen kennen, die sein Gemüse essen. Damit lag sein Landwirtschaftsbetrieb aber gar nicht im Trend. Obwohl die Markstände regelmäßig ausverkauft waren, ließ sich die arbeitsintensive und aufwändige Produktion nicht kostendeckend organisieren. Niedrige Löhne für die GärtnerInnen und relativ hohe Preise für die Kunden trotz Direktvermarktung ist keine gute Bilanz. Statt sich über Gemüse auszutauschen wurden am Marktstand Preise addiert und Geld gezählt. Da gingen die Beziehungen nicht über ein „Wie geht’s?“ hinaus.

Regelmäßige Arbeitsgruppentreffen, in denen sich KundInnen und GärtnerInnen austauschen haben ein gegenseitiges Verständnis für die jeweiligen Probleme und Herausforderungen geschaffen. Die Marktpreise wurden abgeschafft, stattdessen verpflichten sich alle 200 Mitglieder ihren regelmäßigen Solidar-Beitrag zur finanziellen Deckung ihres Ernteanteils zu bezahlen. Dieser wird von jedeR selbst eingeschätzt, je nach Einkommen, Gemüseverbrauch und aktiver Mitarbeit am Betrieb. Damit trägt JedeR mit am Ertrag und am Risiko der Landwirtschaft. So bleibt viel Zeit für Austausch zu Gemüse, Saatgut und Anbau bei der wöchentlichen Gemüseverteilung, die zunehmend von den Mitgliedern organisiert wird.

Solidarische Landwirtschaft ist also machbar. Von Wachsen spricht aber bei GeLa Ochsenherz niemensch. Begrüßt werden hingegen andere Initiativen, die die Ernährung in ihrer Region selbstbestimmt in die Hand nehmen wollen. Derzeit ist die Projektgruppe Gemüse-Werk-Stadt aktiv auf Landsuche in Wien. Sie wollen solidarische Landwirtschaft noch weiter ins Wiener Stadtgebiet holen. Darüber hinaus wollen sie einen Raum schaffen, wo selbstbestimmtes Arbeiten, offener Austausch und gemeinschaftlich leben und aktiv sein möglich ist. Bei Interesse mail an gemuesewerkstadt@riseup.net.

Der Autor Stephan Pabst ist Teil der Bewegung für Ernährungssouveränität – nyelenieurope.net

Links zu Solidarische Landwirtschaft weltweit – urgenci.net, in Deutschland – solidarische-landwirtschaft.org und in Österreich: /ochsenherz.at/csa

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