Vom 10. bis 22. August fand in dieser Form nach 2008 die zweite Sommeruni der Naturwissenschaftlichen Sektion und der Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum statt. 13 Teilnehmende (etwa doppelt so viele wie im Vorjahr), überwiegend Studierende der Agrar- und Biowissenschaften, kamen ans Goetheanum. Die erste Woche fand am Glashaus am Goetheanum (bild) statt, die zweite im Lötschental (Wallis). - HTTP://WWW.SCIENCE.GOETHEANUM.ORG

Gentechnik, Goethe und Ganzheitlichkeit – eine Forschungsreise im Lebendigen

Die Landwirtschaft ist in der Krise – Das Ziel weltweiter Ernährungssouveränität spaltet die Weltmächte in Gentechnikbefürwortende und Wegbereitende einer regional angepassten, biologischen Landwirtschaft . Um die Landwirtschaft nun aus ihrer Krise zu führen genügt keine dieser Strategien – Nehmen wir uns die Freiheit Tatsachen zu hinterfragen und ihr Wesen zu ergründen – ein Bericht von Stephan Pabst .

Erkenntnisversuche des goetheschen Typus – eine denkpraktische Übung

Lesen Sie die folgenden Worte und Sätze nicht so wie Sie es gelernt haben, sondern lassen Sie Schritt für Schritt ein Bild vor ihrem geistigen Auge entstehen – ohne sogleich die Informationen zuzuordnen oder andere Begriffe dafür finden zu müssen. Dieses geistige Bild vermag vielleicht einen Abglanz dessen zu vermitteln, was die Sommeruni09 für eine Schar von JungwissenschaftlerInnen so interessant gemacht hat.

Wer ist eigentlich „man“ und warum ist das objektiv?

Studierende der Biologie, Physik, Chemie, … interessiert am Lebendigen, an den Funktionen des Daseins, an der Erkenntnis der Welt – sie alle lernen im Allgemeinen sich von der Zelle aus an die großen, ökologischen Zusammenhänge der Welt anzunähern. Der Blick durchs Mikroskop als Schlüssel zum Verständnis der Welt ist unweigerlich zum Dogma der Naturwissenschaften geworden. Selbst in der Ökologie sind es die Einzelphänomene, die, meist erst am Ende des Lehrbuchs, ein dichtes Netz an Informationen bilden. Die Forschende selbst reduziert sich auf ein „man“ in der dritten Person, die außerhalb des Prozesses steht, und beobachtet. Wie kommt man aber nun zu einer Erkenntnis vom Lebendigen? Muss „man“ sich da vielleicht selber einbringen?

Weg Man! – Hin zum Ich!

Die Wahrnehmung aus der ersten Person blendet all das ein, was im (objektiven) Alltag gerne verloren geht. Anwendungsbeispiel: „Heiße Liebe“ – die Reduktion auf „Vanilleeis mit heißen Himbeeren“ stellt selbst unter Hinzuziehung einer detaillierten chemischen Analyse keine befriedigende Beschreibung dar. Es bedarf einer Seele, einer Innensicht um diesen Begriff erlebbar zu machen. Doch fehlen uns hier bei zunehmender Komplexität oft die Ausdrucksmittel – im genannten Beispiel also die Worte. Daher haben wir uns in Übungen mit der Begriffsbildung auseinander gesetzt:

Vom Senecio, der unter der Sonne beißt und eingebildeten Kühen …

Wer mit zwölf (!) Sinnen in die Welt schaut und sich auf Phänomene einlässt, die ringt oft nach Ausdrucksmitteln. Wir blickten gespannt auf die Exemplare des gemeinen Greiskrauts (senecio vulgaris) vor dem Glashaus und versuchten die Vorstellung seines Daseins in uns lebendig zu machen. – Mit Blattmetamorphosen geben sich die Kühe im Goetheanumpark nicht zufrieden, und mustern bald aufmerksam die bemühte Schar der sich Einfühlenden. – So klar sich uns die äußere Welt mit all ihren Details erschließt, so diffus gebiert sich einem tapsenden Welpen gleich die Darstellung einer inneren Anschauung.

… von Bienen, die güldne Bahnen weben und dem Anger, des flirrendes Antlitz schwitzt.

Schritt für Schritt lernen wir Aspekte einer Methode, die sich nicht ohne weiteres verallgemeinern lässt. Jede für sich betrachtet und staunt, wählt ihre Ausdrucksmöglichkeiten und erlebt Wesenheiten und Atmosphären, die sich als Gesamteindruck einprägen und jederzeit abrufbare Spuren hinterlassen. Wir sammeln Erfahrungen und machen uns bereit sie denkend zu verknüpfen…

Detail ist Ausdruck des Ganzen …

Die Steine, die vom Wasser des Gebirgsbaches rundgeschliffen kullern und sich reiben bis das Rinnsal zur reißenden Klamm sich gräbt … sogar diese Steine erzählen eine Geschichte, die einen Eindruck hinterlässt.Wo wir unseren Blick auch hinwenden, auf die frische Magerwiese oder die heuenden Männer und Frauen, ob wir die alten Speicherhütten betrachten oder die bewachsenen Schuttkegel, zu deren Fuß sich handtuchgroße Wiesen erstrecken – aus allem spricht das Lötschental und wir hören ihm zu.

… deren Summe noch kein Ganzes gibt

Eine rein äußere Anschauung dieses Gebietes hätte uns zwar umfassende Auskunft über das „Was“ gegeben aber nur eingeschränkt Aussagen über das „Wie“ und schon gar keine Erkenntnisse vom „Warum“ ermöglicht. Mit der „Einlebenden“ Anschauung kamen wir – trotz aller Anfänglichkeit – schon weiter. Am letzten Tag ermöglichte uns ein Landwirt an seinen Lebenserfahrungen teilzuhaben. Wir konnten wie in einer Art Rückblick erleben, wie er unsere jungen Erfahrungen wieder aufleuchten und das Tal in seiner Ganzheitlichkeit wahrnehmen ließ. Sein Umgang mit dem Tal, den Pflanzen und Tieren dieser Region und die Motivation darin sich zu erfüllen, setzte das anfänglich Erfahrene und Geahnte wirksam ins Bild.

Fazit: Im Potential wird eine Idee geboren

Sowohl Pflanzen als auch Tiere lassen sich mittlerweile bis auf die molekulare Ebene zerlegen, jedoch unterscheiden sich Zellhaufen und Basenpaare nicht sonderlich voneinander, solange dieser geformten Substanz keine Seele/Idee innewohnt. Wir haben gelernt von außen und von innen her die Natur zu begreifen – das wirkt!

Die nächste Sommeruni ist vom 23. August bis 3. September 2010 – HTTP://WWW.SCIENCE.GOETHEANUM.ORG

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